Dortmund: „Menschen zusammenschlagen auf einer Gedenkveranstaltung, ihr Arschlöcher?“

Heute vor genau 7 Jahren, am 28.3.2005, wurde in Dortmund der Punker Thomas „Schmuddel“ Schulz vom Neonazi Sven Kahlin ermordet. In der U-Bahnstation Kampstraße, weil er Kahlin´s rechtsradikale Sprüche nicht unkommentiert stehen ließ. Seitdem veranstalten AntifaschistInnen in Dortmund jährlich Demonstrationen und Kundgebungen, um an diesen Mord und die zahlreichen weiteren Opfer rechter Gewalt zu erinnern. Auch heute war an der Oberfläche der U-Bahnstation wieder eine Kundgebung angemeldet, zu der sich geschätzt 100 bis 150 AntifaschistInnen an der Kampstraße sammelten.

Nachdem bereits ein Jahr nach der Tat von der Dortmunder Verwaltung beschlossen wurde, eine Gedenktafel für Thomas Schulz zu installieren und noch immer keine Reaktion erfolgte, setzen die unterstützenden Gruppen auch dieses Jahr wieder diese Forderung in die Praxis um und errichteten eine Gedenktafel. Die von der Stadt geplante Gedenktafel soll die Aufschrift „In dieser U-Bahn-Haltestelle wurde am 28.3.2005 der Punk Thomas Schulz von einem Neo-Nazi erstochen.“ tragen – allerdings verzögert die Stadt die Anbringung auf nach einem Umbau der Kampstraße zum „Boulevard Kampstraße“. Laut aktuellen Planungen soll es demnach bis 2016/17 keine dauerhafte Gedenktafel in Erinnerung an den schrecklichen Vorfall geben.

Bei bestem Wetter wurden mehrere Redebeiträge gehalten und an die grausamen Morde in der Stadt Dortmund erinnert. Es wurde auch auf die Opfer des NSU und andere Todesopfer rechter Gewalt eingegangen und der Brief eines Freundes von Thomas Schulz verlesen, der aktuell in Haft sitzt.

Doch was macht die Polizei am liebsten, wenn antifaschistische Gruppen auf das Versagen des Staates und sein Mitwirken und Wegsehen bei Morden, die von Neonazis begangen werden, hinweisen? Sie holt den Knüppel raus und schlägt Alarm – so auch heute: Am Rande der Kundgebung befanden sich einige Punker, die in Richtung U-Bahn wollten. Ihr Ziel war der unterirdische Tatort des Mordes an ihren Freund Thomas Schulz. Eine handvoll PolizistInnen wollte ihnen den Zugang verwehren und provozierte und beleidigte diese aufgrund ihres Aussehens noch.

Die Polizisten schlugen die Punks zu Boden, trotz sich schnell aufgestellter Bullenkette wurden für alle sichtbar selbst am Boden liegende und wehrlose Personen noch geprügelt und getreten. Um den lautstarken Protest zu unterbinden sprühten die Polizisten unkontrolliert mit Pfefferspray in die Menge und schlugen auf alle umstehenden Personen mit ihren Schlagstöcken ein. Etliche Menschen, ob jung oder alt, klagten über gereizte Atemwege oder brennende Augen, noch meterweit entfernt spürte man beim Atmen dass Pfefferspray in der Luft. Pressefotografen, die ihrem Job nachgehen wollten wurden trotz Presseausweis und -akreditierung an der Ausübung ihrer Tätigkeit gehindert und von den Polizisten geschubst und geschlagen. Mindestens eine Person musste von den Bullen am Kopf schwer verletzt ins Krankenhaus eingeliefert werden. Auch Hunde von unbeteiligten Personen hatten deutlich sichtbar unter der Situation zu leiden. Wir schließen uns dem Zitat einer anwesenden Person – „Menschen zusammenschlagen auf einer Gedenkveranstaltung, ihr Arschlöcher?“ – an und hoffen, dass diese Eskalation der Gewalt Dortmunder Polizisten Konsequenzen haben wird und wünschen, sofern da noch ein Unterschied feststellbar ist, allen Opfer rechter Gewalt und polizeilicher Gewalt Gute Besserung.

Kommenden Samstag, den 31.03., findet in Dortmund am S-Bahnhof Universität ab 11 Uhr die Demonstration “Rechte Gewalt unmöglich machen!” des Dortmunder Antifa-Bündnisses statt. Anschließend gilt es, sich dem Naziaufmarsch in Dortmund entgegenzustellen. Dieser soll ab 16 Uhr vom Hauptbahnhof aus losgehen.

Weitere Infos gibt es z.B. hier: http://dortmundquer.blogsport.de/